Ortsgeschichte Harmating-Moosham

Die ehemalige Gemeinde Moosham bestand aus den Ortsteilen Schalkofen, Feldkirchen, Harmating, Reichertshausen, Siegertshofen, Weihermühle, Sägmühle und Golkofen . Mit 1159 ha und 425 Einwohnern schloss sie sich 1973 an die Großgemeinde Egling an. Die kleinen Ortschaften, Weiler und Einzelgehöfte Mooshams sind im hügeligen Gelände weit verstreut. Der Pfarrsitz ist Thanning, die dortige Pfarrkirche wurde 1786 erbaut. Dazu gehören die Filialkirche Feldkirchen und die Kapellen Harmating, Reichertshausen und Siegertshofen.

Wann erstmals in Harmating eine Leonhardikapelle erbaut wurde, läßt sich nicht mehr genau feststellen. 1641 ist die Ausweisung durch einen Wolfratshauser Maurer und die Ausbesserung des Altars nachgewiesen. 1680- 85 erfolgte der Neubau der Kapelle. Inschriften aus dieser Zeit (1686) weisen auf die Familie Barth hin, die das benachbarte Schloß in Besitz hatte. Der Hochaltar zeigt die Figur des Hl. Leonhard. Rechts des Tabernakels finden wir die Statue des Hl. Rochus (Pest-Heiliger), links die des Hl. Johannes Nepomuk. Unter den vielen Votivtafeln, die von den Wallfahrern nach Gebetserhörungen gestiftet wurden, befindet sich noch ein Farbdruck des Schweißtuches der Hl. Veronika. Seit 1981 sind die bis kurz nach dem 2. Weltkrieg traditionellen Pferdesegnungen wieder aufgenommen worden. Die Wallfahrten nach Harmating haben wahrscheinlich im 17. Jahrhundert begonnen. Unter einem Baum in der Nähe des Reiter-Anwesens soll sich ein Bildnis des Hl. Leonhard befunden haben. Ob dort Wunder geschahen, wissen wir nicht. Jedes Jahr kamen aber viele Pilger, die zum Hl. Leonhard um Hilfe für ihre Tiere, besonders die Pferde, beteten. Da der Zustrom immer größer wurde, beschloß man den Bau einer Kapelle, die aber bald zu klein war und durch das heute noch bestehende Bauwerk ersetzt wurde. 1986 wurde die Kapelle neu renoviert.

Auf dem höchsten Punkt liegt das weit sichtbare Schloß Harmating. Seit 1140 ist die »Burg Hadmaringen« beurkundet.

Nach der im Jahre 1146 bezeugten Namensform Hadamaringen handelt es sich bei dem Ort Harmating (in dieser Form zum ersten mal 1466) um die Gründung eines Hadamar. Die Hadamaringer gehörten zu den Edlen der Grafschaft Wolfratshausen. Das Schloß wurde im 13. Jahrhundert unter den Herren von Waldeck erbaut. Seit 1531 war die Hofmark Harmating Sitz des Münchner Patriziergeschlechts Barth. Kaiser Rudolf 11. verlieh 1596 Oswald Barth die Edelmannsfreiheit und niedere Gerichtsbarkeit für Harmating. Nach Aussterben der Familie, 1940, fiel Harmating durch Erbschaft an die Familie von Schirnding. Das im Kern gotische Schloß wurde im 16. Jahrhundert durch einen Renaissance-Erker erweitert. Auch die Räume wurden damals ausgestaltet. Etwa zweihundert Jahre jünger als das Schloß ist die Kapelle. Die Stukkatur des Tonnengewölbes verweist auf das Jahr 1630. Das Kanzelzimmer im ersten Stock mit dem Deckengemälde von Melchior Steidl und einem großen blau-weißen Kachelofen, beide im späten 17. Jahrhundert entstanden, trägt seinen Namen nach dem Münchner Bürger- und Stadtzeugmeister und Landschaftskanzler des Münchner Umlandes Ferdinand Barth. Auch Hermann von Barth (1845 – 1876), der Erschließer des Karwendels, ist ein Sohn dieser Familie.

Siegertshofen erscheint als Besitzer des edlen Reginloch de Sigiharteshoven im Jahr 1145 in tegernseeisehen Documenten. Siegertshofen besitzt auch eine gotische Elisabethenkapelle, die 1975 renoviert wurde. Die Filiale gehörte früher zum Dietramszell’schen Pfarrvicariat Thannkirchen. Erst im Jahre 1814 wurde die Filiale der Pfarrei Ascholding zugeteilt. Seit 1974 gehört sie zur Pfarrei Thanning.

Schalkofen bestand in seiner ursprünglichen Form aus 3 Bauernhöfen mit einer Privatkapelle. Das Schulhaus der ehemaligen Gemeinde Moosham wurde 1952 in Schalkofen erbaut. Zurzeit wird es als Sportlerheim genützt. Neben dem Schulhaus steht das Gerätehaus der »Freiwilligen Feuerwehr Moosham«. Reichertshausen (Rihcozeshusir) wird erwähnt unter Bischof Hitto von Freising (810 – 835), indem Priester Erchanbald und ein gewisser Herlolf ihr gemeinsames dortiges Erbe zum Dome in Freising schenkten. Die

Reichertshauser Sankt Coloman Kapelle wurde 1495 im gotischen Stil erbaut. In dieser blieb ein altdeutsches Flügelaltärchen erhalten, nebst einigen alten Gemälden auf Holz. Auch wird daselbst ein Pfeil aufbewahrt, mit dem der Wiedererbauer der Kirche, Hans Gartner, herzoglicher Mundkoch, 1521 auf der Jagd verwundet wurde.

Die Pfarrkirche ad Mosahen ist die Filialkirche Feldkirchen, die noch im vorigen Jahrhundert zur Pfarrei Deining gehörte. Im Volksmunde wurde es auch das Pfarrl oder Feldpfarrl genannt. Das Erbauungsjahr der Kirche ist unbekannt, erstmals erwähnt wurde sie in einer Beschreibung des Erzbistums München-Freising im Jahr 799. Die im gotischen Stil erbaute Kirche ist dem HI. Georg geweiht.

Der Name Moosham sagt, daß es sich um eine Siedlung am Moos handelt, nach alter Überlieferung eine Ausbausiedlung von Thanning aus. Früher wurde Jahrhunderte hindurch Moosheim geschrieben.

Die früheste Beurkundung findet sich unter den Güterschenkungen an das Kloster Schäftlarn, als 1196/97 bei einem Rechtsgeschäft als Zeuge ein »Sigboto de Moseheim« genannt wird. Ein anderer Forscher bezeugte Moosham schon im Jahre 799. Im Scharwerksverzeichnis vom Jahre 1574 werden zum ersten Male die Grundherrschaften der damals in Moosham bestehenden Höfe genannt. Von 12 Anwesen gehörten damals 7 geistlichen Grundherren, nämlich 3 dem Kloster Zell (= Dietramszell) ,2 der Filialkirche Feldkirchen und 2 der Kirche beim Schloß Wolfratshausen. Als 5 weltliche Grundherren werden genannt: der Landesfürst, der Seehofer (ein Münchner Bürger), der Gartner von München, die Gmain und nur ein einziger Bauer ist »Aigen«. Erst 1848 wurden mit der allgemeinen Bauernbefreiung auch die Mooshamer Anwesen frei und selbständig. Das größte Anwesen des Dorfes gehörte 1574 einem Seehofer, 1612 dem Stadtvogt von Augsburg und laut Steuerbuch von 1671 dem Gerichtsverwalter von Tegernsee, Herrn Thalhammer. Seit dem 18. Jahrhundert erst erschienen die Mooshamer Hausnamen in den amtlichen Quellen.

Haus-Nr. 1- Sebald; 2 – Kistler; 3 – Gilg; 4 – Gartner; 41/2 – Anselm Wiedenbauer; 5 – Schultheiß; 6 – Bernhard; 7 – Rucker; 8 – Huber; 9 – Zellermaier; 10 – Steffelbauer; 11- Zimmerlenz; 12 – Riesch; 12 1/2 – Eschbaumer (früher Hofgirgl); 13 – Berghäusl.

Ein weiteres Gehöft ist noch genannt, der Ruckerhof, der im 30jährigen Krieg aber zerstört wurde und 1650 wieder neu entstand.

1973 und 1983 wurden 2 Mammutzähne in der Mooshamer Kiesgrube gefunden. Der erste Zahn wird auf 1,2 Mio Jahre geschätzt, also der Günz-Eiszeit zugehörig, und dürfte von einem Mammut stammen, das etwa 4,5m groß war. Der zweite Zahn ist aus der Würm-Eiszeit (vor 100000 Jahren). Die Körpermaße dieses Mammuts dürften die 3,5 m Höhe bis zum Widerrist kaum überschritten haben.

Michael Fagner